Title:

Die Mitarbeiterbefragung im Rahmen betrieblicher Gesundheitsförderung

Description:  Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozeß, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu befähigen...
Author:Mirko Wendland
deutsch
  
ISBN: 3150182573   ISBN: 3150182573   ISBN: 3150182573   ISBN: 3150182573 
 
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Die Mitarbeiterbefragung im Rahmen betrieblicher Gesundheitsförderung



1. Wiederholung

Ottawa Charter for Health Promotion (1986)

"Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozeß, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu befähigen. "

Die Ottawa Charter war das erste WHO-Dokument, das ein stabiles Ökosystem als Grundlage der menschlichen Gesundheit formuliert hat und sie skizziert eine umfassende Strategie für Gesundheitsförderung auf fünf sich wechselweise beeinflussenden Aktionsebenen, die das ganze Spektrum des neuen Gesundheitsverständnisses abstecken:

  • Entwicklung einer gesundheitsförderlichen Gesamtpolitik
  • Schaffung gesundheitsförderlicher Lebenswelten
  • Unterstützung gesundheitsbezogener Gemeinschaftsaktivitäten
  • Entwicklung persönlicher Kompetenzen
  • Neuorientierung der Gesundheitsdienste

Gesundheit durch Projekte fördern

Senkung von Fluktuationsraten
Reduzierung von Versicherungskosten
Beseitigung von Motivationsproblemen
Antworten auf psychosoziale Probleme und psychosomatische Leiden
=> Erhöhung der Gesundheit aller Beschäftigten und Senkung der Zahl der Erkrankungen

Veränderung durch Entwicklung von Personen und Strukturen

Dimensionen der Organisationsentwicklung (IFF 1992 nach Pelikan, 1991)

  Ressourcenentwicklung Kulturentwicklung
Personalentwicklung Wissen, Kompetenz Einstellungen, Werte
Organisationsentwicklung Situative Möglichkeiten, Strukturen Regeln, Sanktionen

Projektschritte Betrieblicher Gesundheitsförderung

Vorbereitungsphase

-> Analysephase
-> Maßnahmephase
-> Bewertungsphase

Handlungsmodell des Deutschen Wellness Verbandes für die betriebliche Gesundheitsförderung

handlungsmodell

Analysephase und Analyseinstrumente

- Arbeitssituationserfassung (4 Fragen; Veranstaltung vom 13.05.96)
- Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten (Susanne Kolpin; Referat am 20.05.96)
- schriftliche oder mündliche Mitarbeiterbefragung
- Gesundheitszirkel
- Arbeitsplatzanalyse durch Experten

2. Die Mitarbeiterbefragung

Zwei Formen der Datenanalyse im Vergleich

  1. objektive Herangehensweise
     
    -> Analyse des Krankenstandes/der Arbeitsunfähigkeit mit Anfertigung eines Gesundheitsberichtes
    -> Aspekte:
    • Identifizierung gesundheitlich auffälliger Betriebsbereiche

  2. subjektive Herangehensweise
     
    -> Analyse von Daten aus (einer) Mitarbeiterbefragung(en)
    -> Aspekte:
    • subjektive Einschätzung von Gesundheit, Befindlichkeit

    • Einschätzung von Arbeitsbelastungen und -beanspruchungen

    • Interessen, Wünsche und Bedürfnisse der Befragten

    ->> "Partizipation der Betroffenen"

  Arbeitsunfähigkeits-datenanalyse Mitarbeiterbefragung
Instrument (EDV-gestützte) Dokumentenanalyse Schriftliche und/oder mündliche Befragung
Information
  1. Arbeitsunfähigkeitshäufigkeiten und -dauer
  2. Krankheitsartenstruktur aufgrund von Arbeitsunfähigkeitsdiagnosen
  1. Gesundheitsverhalten/-einstellungen
  2. Subjektiver Gesundheitszustand
  3. Wohlbefinden
  4. Interessen/Bedürfnisse
  5. Differenzierte Aussagen über (arbeits-/berufsspezifische) Belastungen/Beschwerden
  6. Differenzierte Wahrnehmung des Betriebes / Arbeitsplatzes
  7. Verbesserungsvorschläge
Vorteile
  1. Einfache Durchführung
  2. Zeit- und kostenökonomisch
  3. einfache Regional-, Branchen- und Betriebsvergleiche
  1. Partizipation vieler Beschäftigter
  2. Differenzierte Aussagen über (Planung und Evaluation), u.a. über Zusammenhänge von Belastungen und Beschwerden
  3. Frühzeitige Erkennung von Gesundheitsgefährdungen noch von Krankheitsmanifestation
  4. Erfassung psychosozialer Belastungsfaktoren
  5. Anpaßbarkeit des Instrumentes an betriebsspezifische Bedingungen/Informationsbedürfnisse
Nachteile
  1. Eingeschränkte Verfügbarkeit
  2. kein Bezug zwischen erhobenen Daten und Erkrankungsursachen
  3. Gesundheitsdaten sind auf ärztliche Diagnosen von Arbeitsunfähigkeit beschränkt
  4. Arbeitsunfähigkeitsdiagnose kann mangelhaft, ungenau oder falsch sein
  1. Zeit- und kostenintensiv
  2. Ergebnisse sind subjektiv beinflußbar
  3. abhängig von der Kooperationsbereitschaft der Mitarbeiter, des Betriebsrates und der Betriebsleitung

Befragungsarten

  1. mündliche Befragung
     
    • (zeitaufwendiges) voll-, teil- oder unstrukturiertes Interview
    • überwiegend Expertenbefragung
      (Betriebsarzt, Sicherheitsbeschäftigter)
    • anwendbar bei kleineren Arbeitsgruppen
    • schwierige Durchführung und Auswertung
  2. schriftliche Befragung
     
    - Standardverfahren mit
    • offenen Fragen oder Aufforderungen
    • und geschlossene Fragen und/oder Feststellungen mit einer oder mehreren Antwortalternativen (Multiple-Choice)
    • einfache Bearbeitung (Durchführung) und Auswertung
    • hohe Anonymität der Daten

Inhalt eines schriftlichen Befragungsbogens

- selten, daß den Fragebögen theoretisch-fundierte †berlegungen zugrundeliegen
- Aufbau in Form eines Modulsystems, daß den Bedürfnissen des jeweiligen Betriebes oder Bereiches angepaßt werden kann
- Inhalt:
- Soziodemographische Daten
- Einschätzung der eigenen Gesundheit, Gesundheitszustand
- Gesundheitsinteresse, Gesundheitsverhalten
- Einstellungen zu Gesundheit, Prävention, Gesundheitsförderung
- Wohlbefinden
- Beschwerden, Probleme, Schmerzen
- Arbeitsbelastungen
- Angebotsinteressen, Wünsche, Vorschläge
- Einstellungen zum Unternehmen/Arbeitgeber
=> sicherlich keine vollständige Liste

Allgemeine Gesichtspunkte der Itemformulierung

Die Items sollten in ihren Formulierungen ...

- möglichst spezifisch, einfach und klar sein
- Sachverhalte möglichst eindeutig ansprechen und nicht gleich zwei oder mehr Fragen kombinieren
- keine Verneinungen enthalten
- für die gewählte Population nicht so extrem sein, daß die Varianz der Antworten gegen Null geht
- nicht so gestaltet werden, daß bestimmte Antworten schon 'manipulativ' nahegelegt werden

Die Items sollten in ihren Antwortkategorien ...

- so weit wie möglich geschlossen sein
- dann offen bleiben,
  • wenn nicht genug bekannt ist, um eine Batterie geschlossener Antworten zu konstruieren
  • wenn die Zahl der möglichen Antworten sehr groß ist

- disjunkt sein und eindeutige Antworten erlauben
(kein Brei von überlappenden Inhalten, Ober- und Unterbegriffen)
- "weiß nicht" oder "keine Meinung"-Möglichkeiten bereitstellen
- für den Befragten in ihrer Anzahl überschaubar sein
(nicht mehr als etwa 10 Antwortkategorien oder die Antwortkategorien entsprechend untergliedern; bei komplizierten Inhalten sollten mehrere Fragen gestellt werden)

Zusammenstellung und Organisation des Fragebogens

- konkrete Themen am Anfang; globalere später
(Das hat den Vorteil, daß die Befragten zunächst auf ganz Handfestes stoßen und dabei den Fragebogen und die Art seiner Fragestellungen bzw. Antwortformate kennenlernen.)
- Raum für "Kommentare"
(Solche Räume werden bei einem expliziten Block-Aufbau sinnvollerweise nach jedem Block eingefügt, damit die Befragten - nach Beschäftigung mit einem Thema - dazu motiviert werden, zu dem Thema noch etwas mit eigenen Worten zu sagen)
- Demographische Items entweder am Anfang oder am Ende
(vorzugsweise erfolgt es am Ende; bei Interbefragung am Anfang!).

Durchführung

- Einbeziehung aller zuständigen Stellen bei der Fragebogenerstellung
(Betriebsarzt, Sicherheitsbeauftragter, Personalabteilung, Betriebs- bzw. Personalrat, Sozialabteilung, Krankenkasse, die die Mehrheit der Beschäftigten versichert)
!!! Mitarbeiterbefragungen sind zustimmungspflichtig!!!
 
- Frühzeitige Information und Motivierung der Beschäftigten über:
  1. Ziel
  2. Verantwortlichen für Durchführung und Auswertung
  3. Organisation von Verteilung und Rücklauf
  4. Sicherstellung des Datenschutzes
  5. Anreize, die zur Beteiligung motivieren
    (z.B. Ausfüllen unter Anrechnung der Arbeitszeit,öffentliche Auswertung)
durch Rundschreiben, Handzettel, Mitarbeiterbesprechungen und -versammlungen, zentrale Aushänge
 
- Durchführungsformen
- Stichprobe versus Vollbefragung
- Wahllokalmethode
- Fragebogenzusendung per Post
- Befragung per Internet

Statistische Aufbereitung
- absolute und relative Häufigkeiten
- Prozentwertaufschlüsselung
- Mittelwerte (bei abgestuften Antwortskalen)
- selten interferenzstatistische Analysen
- graphische Darstellung der Ergebnisse

Berichte und Aushänge
- Globalbericht
(Befunde aller Mitarbeiter mit Hauptbefunde, Textteil, Tabellenteil, Demographieteil)
- Bereichsberichte
- Abteilungsberichte
- Spezialberichte
(für bestimmte Gruppen wie das Management)
- Kommentarband
(mit den gesammelten Kommentaren aller Mitarbeiter)
- Kreuztabellenband
(Aufschlüsselung aller €ußerungen der Mitarbeiter zu allen geschlossenen Fragen nach allen demographischen Variablen)

Konsequenzen

- Gesundheitszirkel
- wiederholte Befragungen
- Verhältnisprävention (Mitarbeiter) mit z.B.: Ernährungsberatung, Rückenschule, Entspannungsverfahren, Raucherentwöhnung usw.
- Verhältnisprävention (System) mit z.B.: Nahrungsangebot in den Kantinen

3. Literatur

1. Borg, I. (1995). Mitarbeiterbefragungen. Strategisches Auftau- und Einbindungsmanagement. Göttingen: Verlag für Angewandte Psychologie.
2. Grossmann, R. & Scala, K. (1996). Gesundheit durch Projekte fördern. Ein Konzept zur Gesundheitsförderung durch Organisationsentwicklung und Projektmanagement. Weinheim, München: Juventa.
3. Hertel, L. (1994). Mitarbeiterbefragung als Instrument zur Erhebung subjektiver Daten im Rahmen betrieblicher Gesundheitsförderungsprogramme. Zeitschrift für Präventivmedizin und Gesundheitsförderung, S. 48 - 55.


  
Psychologie: Eine Einführung
Siehe auch:
Die Weltwirtschaft: Eine kleine Einführung
Das Gehirn: Eine Einführung
Psychologie lernen: Eine Einführung und Anleitung …
Abriss der Psychoanalyse
Lexikon Psychologie: Hundert Grundbegriffe
Psychologie (Springer-Lehrbuch)
 
   
 
     
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