1. Wiederholung
Ottawa Charter for Health Promotion (1986)
"Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozeß, allen Menschen ein höheres Maß an
Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu befähigen. "
Die Ottawa Charter war das erste WHO-Dokument, das ein stabiles Ökosystem als Grundlage der
menschlichen Gesundheit formuliert hat und sie skizziert eine umfassende Strategie für
Gesundheitsförderung auf fünf sich wechselweise beeinflussenden Aktionsebenen, die das ganze
Spektrum des neuen Gesundheitsverständnisses abstecken:
- Entwicklung einer gesundheitsförderlichen Gesamtpolitik
- Schaffung gesundheitsförderlicher Lebenswelten
- Unterstützung gesundheitsbezogener Gemeinschaftsaktivitäten
- Entwicklung persönlicher Kompetenzen
- Neuorientierung der Gesundheitsdienste
Gesundheit durch Projekte fördern
Senkung von Fluktuationsraten
Reduzierung von Versicherungskosten
Beseitigung von Motivationsproblemen
Antworten auf psychosoziale Probleme und psychosomatische Leiden
=> Erhöhung der Gesundheit aller Beschäftigten und Senkung der Zahl der Erkrankungen
Veränderung durch Entwicklung von Personen und Strukturen
Dimensionen der Organisationsentwicklung (IFF 1992 nach Pelikan, 1991)
| |
Ressourcenentwicklung |
Kulturentwicklung |
| Personalentwicklung |
Wissen, Kompetenz |
Einstellungen, Werte |
| Organisationsentwicklung |
Situative Möglichkeiten, Strukturen |
Regeln, Sanktionen |
Projektschritte Betrieblicher Gesundheitsförderung
Vorbereitungsphase
-> Analysephase
-> Maßnahmephase
-> Bewertungsphase
Handlungsmodell des Deutschen Wellness Verbandes für die betriebliche Gesundheitsförderung

Analysephase und Analyseinstrumente
- Arbeitssituationserfassung (4 Fragen; Veranstaltung vom 13.05.96)
- Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten (Susanne Kolpin; Referat am 20.05.96)
- schriftliche oder mündliche Mitarbeiterbefragung
- Gesundheitszirkel
- Arbeitsplatzanalyse durch Experten
2. Die Mitarbeiterbefragung
Zwei Formen der Datenanalyse im Vergleich
- objektive Herangehensweise
-> Analyse des Krankenstandes/der Arbeitsunfähigkeit mit Anfertigung eines
Gesundheitsberichtes
-> Aspekte:
- Identifizierung gesundheitlich auffälliger Betriebsbereiche
- subjektive Herangehensweise
-> Analyse von Daten aus (einer) Mitarbeiterbefragung(en)
-> Aspekte:
- subjektive Einschätzung von Gesundheit, Befindlichkeit
- Einschätzung von Arbeitsbelastungen und -beanspruchungen
- Interessen, Wünsche und Bedürfnisse der Befragten
->> "Partizipation der Betroffenen"
| |
Arbeitsunfähigkeits-datenanalyse |
Mitarbeiterbefragung |
| Instrument |
(EDV-gestützte) Dokumentenanalyse |
Schriftliche und/oder mündliche Befragung |
| Information |
- Arbeitsunfähigkeitshäufigkeiten und -dauer
- Krankheitsartenstruktur aufgrund von Arbeitsunfähigkeitsdiagnosen
|
- Gesundheitsverhalten/-einstellungen
- Subjektiver Gesundheitszustand
- Wohlbefinden
- Interessen/Bedürfnisse
- Differenzierte Aussagen über (arbeits-/berufsspezifische) Belastungen/Beschwerden
- Differenzierte Wahrnehmung des Betriebes / Arbeitsplatzes
- Verbesserungsvorschläge
|
| Vorteile |
- Einfache Durchführung
- Zeit- und kostenökonomisch
- einfache Regional-, Branchen- und Betriebsvergleiche
|
- Partizipation vieler Beschäftigter
- Differenzierte Aussagen über (Planung und Evaluation), u.a. über Zusammenhänge von
Belastungen und Beschwerden
- Frühzeitige Erkennung von Gesundheitsgefährdungen noch von Krankheitsmanifestation
- Erfassung psychosozialer Belastungsfaktoren
- Anpaßbarkeit des Instrumentes an betriebsspezifische Bedingungen/Informationsbedürfnisse
|
| Nachteile |
- Eingeschränkte Verfügbarkeit
- kein Bezug zwischen erhobenen Daten und Erkrankungsursachen
- Gesundheitsdaten sind auf ärztliche Diagnosen von Arbeitsunfähigkeit beschränkt
- Arbeitsunfähigkeitsdiagnose kann mangelhaft, ungenau oder falsch sein
|
- Zeit- und kostenintensiv
- Ergebnisse sind subjektiv beinflußbar
- abhängig von der Kooperationsbereitschaft der Mitarbeiter, des Betriebsrates und der Betriebsleitung
|
Befragungsarten
- mündliche Befragung
- (zeitaufwendiges) voll-, teil- oder unstrukturiertes Interview
- überwiegend Expertenbefragung
(Betriebsarzt, Sicherheitsbeschäftigter)
- anwendbar bei kleineren Arbeitsgruppen
- schwierige Durchführung und Auswertung
- schriftliche Befragung
- Standardverfahren mit
- offenen Fragen oder Aufforderungen
- und geschlossene Fragen und/oder Feststellungen mit einer
oder mehreren Antwortalternativen (Multiple-Choice)
- einfache Bearbeitung (Durchführung) und Auswertung
- hohe Anonymität der Daten
Inhalt eines schriftlichen Befragungsbogens
- selten, daß den Fragebögen theoretisch-fundierte berlegungen zugrundeliegen
- Aufbau in Form eines Modulsystems, daß den Bedürfnissen des jeweiligen
Betriebes oder Bereiches angepaßt werden kann
- Inhalt:
- Soziodemographische Daten
- Einschätzung der eigenen Gesundheit, Gesundheitszustand
- Gesundheitsinteresse, Gesundheitsverhalten
- Einstellungen zu Gesundheit, Prävention, Gesundheitsförderung
- Wohlbefinden
- Beschwerden, Probleme, Schmerzen
- Arbeitsbelastungen
- Angebotsinteressen, Wünsche, Vorschläge
- Einstellungen zum Unternehmen/Arbeitgeber
=> sicherlich keine vollständige Liste
Allgemeine Gesichtspunkte der Itemformulierung
Die Items sollten in ihren Formulierungen ...
- möglichst spezifisch, einfach und klar sein
- Sachverhalte möglichst eindeutig ansprechen und nicht gleich zwei oder mehr Fragen kombinieren
- keine Verneinungen enthalten
- für die gewählte Population nicht so extrem sein, daß die Varianz der Antworten gegen Null geht
- nicht so gestaltet werden, daß bestimmte Antworten schon 'manipulativ' nahegelegt werden
Die Items sollten in ihren Antwortkategorien ...
- so weit wie möglich geschlossen sein
- dann offen bleiben,
- wenn nicht genug bekannt ist, um eine Batterie geschlossener Antworten zu konstruieren
- wenn die Zahl der möglichen Antworten sehr groß ist
- disjunkt sein und eindeutige Antworten erlauben
(kein Brei von überlappenden Inhalten, Ober- und Unterbegriffen)
- "weiß nicht" oder "keine Meinung"-Möglichkeiten bereitstellen
- für den Befragten in ihrer Anzahl überschaubar sein
(nicht mehr als etwa 10 Antwortkategorien oder die Antwortkategorien entsprechend
untergliedern; bei komplizierten Inhalten sollten mehrere Fragen gestellt werden)
Zusammenstellung und Organisation des Fragebogens
- konkrete Themen am Anfang; globalere später
(Das hat den Vorteil, daß die Befragten zunächst auf ganz Handfestes stoßen und dabei den Fragebogen und die Art seiner Fragestellungen bzw. Antwortformate kennenlernen.)
- Raum für "Kommentare"
(Solche Räume werden bei einem expliziten Block-Aufbau sinnvollerweise nach jedem Block eingefügt, damit die Befragten - nach Beschäftigung mit einem Thema - dazu motiviert werden, zu dem Thema noch etwas mit eigenen Worten zu sagen)
- Demographische Items entweder am Anfang oder am Ende
(vorzugsweise erfolgt es am Ende; bei Interbefragung am Anfang!).
Durchführung
- Einbeziehung aller zuständigen Stellen bei der Fragebogenerstellung
(Betriebsarzt, Sicherheitsbeauftragter, Personalabteilung, Betriebs- bzw.
Personalrat, Sozialabteilung, Krankenkasse, die die Mehrheit der
Beschäftigten versichert)
!!! Mitarbeiterbefragungen sind zustimmungspflichtig!!!
- Frühzeitige Information und Motivierung der Beschäftigten über:
- Ziel
- Verantwortlichen für Durchführung und Auswertung
- Organisation von Verteilung und Rücklauf
- Sicherstellung des Datenschutzes
- Anreize, die zur Beteiligung motivieren
(z.B. Ausfüllen unter Anrechnung der Arbeitszeit,öffentliche Auswertung)
durch Rundschreiben, Handzettel, Mitarbeiterbesprechungen
und -versammlungen, zentrale Aushänge
- Durchführungsformen
- Stichprobe versus Vollbefragung
- Wahllokalmethode
- Fragebogenzusendung per Post
- Befragung per Internet
Statistische Aufbereitung
- absolute und relative Häufigkeiten
- Prozentwertaufschlüsselung
- Mittelwerte (bei abgestuften Antwortskalen)
- selten interferenzstatistische Analysen
- graphische Darstellung der Ergebnisse
Berichte und Aushänge
- Globalbericht
(Befunde aller Mitarbeiter mit Hauptbefunde, Textteil, Tabellenteil, Demographieteil)
- Bereichsberichte
- Abteilungsberichte
- Spezialberichte
(für bestimmte Gruppen wie das Management)
- Kommentarband
(mit den gesammelten Kommentaren aller Mitarbeiter)
- Kreuztabellenband
(Aufschlüsselung aller ußerungen der Mitarbeiter zu allen geschlossenen Fragen nach allen demographischen Variablen)
Konsequenzen
- Gesundheitszirkel
- wiederholte Befragungen
- Verhältnisprävention (Mitarbeiter) mit z.B.: Ernährungsberatung, Rückenschule, Entspannungsverfahren, Raucherentwöhnung usw.
- Verhältnisprävention (System) mit z.B.: Nahrungsangebot in den Kantinen
3. Literatur
1. Borg, I. (1995). Mitarbeiterbefragungen. Strategisches Auftau- und Einbindungsmanagement. Göttingen: Verlag für Angewandte Psychologie.
2. Grossmann, R. & Scala, K. (1996). Gesundheit durch Projekte fördern. Ein Konzept zur
Gesundheitsförderung durch Organisationsentwicklung und Projektmanagement. Weinheim,
München: Juventa.
3. Hertel, L. (1994). Mitarbeiterbefragung als Instrument zur Erhebung subjektiver Daten im
Rahmen betrieblicher Gesundheitsförderungsprogramme. Zeitschrift für Präventivmedizin und
Gesundheitsförderung, S. 48 - 55.
|